27. Juni 2020
Das Bild entstand 2012 in den Endzügen meines Studiums. Damals wusste ich schon, dass ich Multiple Sklerose haben könnte - es hat mich aber nicht interessiert.

„Es könnte Multiple Sklerose sein“ – mein Weg

„Wir haben im MRT Auffälligkeiten gefunden. Das könnte Multiple Sklerose sein.“ Mit diesen Sätzen hat mich 2012 ein Arzt im Krankenhaus allein gelassen. Was das bedeuten könnte? Keine Ahnung. Ich wusste nur, dass Multiple Sklerose etwas Schlimmes sein muss. Eigentlich war ich aber ins Krankenhaus gegangen, weil ich nach einem schweren Autounfall mit unerklärlichem Schwindel zu kämpfen hatte. Wobei, so ganz unerklärlich war er nicht. Schließlich hatte ich ein Schleudertrauma. Und dann das – MS. 

Für mich war die Erstdiagnose gar nicht so ein riesiger Schock. Schließlich leidet man Stiefvater auch seit Jahren an MS, die beste Freundin meiner Mutter ebenso. Und sie führen beide ein Leben ohne nennenswerte Einschränkungen. Dass das durchaus möglich ist, weiß ich inzwischen auch. Ich weiß aber auch, wie verzweifelt ich bin, wenn ich gerade einen Schub habe und Cortison nehmen muss. Oder wenn ich eine stressige Zeit im Job habe und denke, ich bin dem ganzen doch gar nicht mehr gewachsen. 

Diagnose: Es gibt Hinweise auf Multiple Sklerose

Von all dem ahnte ich 2012 aber noch nichts. Ich war in den letzten Zügen meines Bachelor-Studiums und die Welt lag mir quasi zu Füßen. Die Ärzte im Krankenhaus schickten mich zur Weiterbehandlung in ein anderes Krankenhaus. Dort wurde ich von Kopf bis Fuß untersucht. Seitdem weiß ich von einem Herzfehler, der aber nicht behandelt werden muss. Ich weiß, dass mein Puls so langsam wie das eines Spitzensportlers ist (und der bin ich mit Sicherheit nicht). Und ich weiß, dass in meinem Nervenwasser Hinweise auf Multiple Sklerose gefunden wurden. 

Mit diesen Informationen wurde ich nach Hause entlassen. Noch dazu der Hinweis: Wenn ich neurologische Auffälligkeiten zeige, bitte sofort im Krankenhaus melden. So richtig wahrhaben wollte ich das damals nicht. Schließlich war die Diagnose nicht so richtig eindeutig. Ich habe also kurz darüber nachgedacht und das Ganze dann wieder vergessen.

Ein halbes Jahr später hatte ich einen neuen Job in einer neuen Stadt. Ein duales Studium im Master mit angeschlossenem Volontariat bei einer großen deutschen Tageszeitung. Außerdem hatte ich eine Fernbeziehung mit dem besten Mann der Welt begonnen. Und ich sah schlecht und hatte Augenschmerzen. 

Vor der Diagnose lag mir die Welt zu Füßen – danach auch

Bachelor-Arbeit, Umzug, Fernbeziehung und neue Arbeitsstelle – das ist Stress pur. Und die mag die Krankheit Multiple Sklerose nicht so sehr. Nachdem ich nach fünf vergeblichen Anrufen endlich eine Augenärztin gefunden hatte, die mich untersuchte, war klar – das ist eine Sehnerventzündung. Und das war für mich der erste Schritt ins Leben als chronisch kranke Frau. 

Multiple Sklerose ist auch als die Krankheit mit den tausend Gesichtern bekannt. Denn sie äußert sich bei jedem anders. Manche Menschen haben einmal einen Schub und dann nie wieder. Andere sitzen nach einem halben Jahr im Rollstuhl. Bei den meisten ist es aber irgendetwas dazwischen. So auch bei mir. Ich habe ungefähr alle eineinhalb Jahre einen Schub. Bislang waren das Sehnerventzündungen und Empfindungsstörungen in den Armen und Beinen. Das fühlt sich bei mir ungefähr so an, als wäre mir eine Gliedmaße eingeschlafen und das dauerhaft. 

„Wie sich meine Krankheit entwickeln wird, lässt sich nicht prognostizieren. Klar ist nur, dass sie sich nach dem momentanen Stand der Medizin nicht heilen lässt. Die zugelassenen Medikamente können meinen Krankheitsverlauf allerdings positiv beeinflussen. 

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