23. September 2020
Auf diesem Bild sind viele verschiedene Pillen zu sehen. Sie sollen Krankheit symbolisieren. Foto: Pixabay

Nicht krank genug

„Man sieht gar nicht, dass du MS hast.“ Diesen Satz höre ich häufig, wenn ich von meiner Krankheit erzähle. Und, um ehrlich zu sein, ich merke es häufig selbst auch nicht. Ich kann nach wie vor gut laufen, meine Augen funktionieren im Rahmen ihrer Möglichkeiten (ich trage seit ich sechs bin eine Brille) und ja, auch meine Gehirn leistet seine Dienste tadellos.

Es sind eher die kleinen Dinge, an denen sich zeigt, dass da ja noch was ist. Wenn ich mir zu viel zumute, bekomme ich Fatigue. Dann hilft nur noch eins: Ab ins Bett und schlafen. Auch Stress ist so ein Thema. Den kann ich gut aushalten, solange er positiv ist. Überstunden auf der Arbeit – kein Problem. Einen vollgepackten Tag durchziehen meist auch nicht.

Passiert dann aber etwas, was mich persönlich betrifft, meldet sich auch die Multiple Sklerose. Auf einmal kribbelt es hier, dort schmerzt das Auge oder ich habe Beine wie Blei.

Emotionaler Stress ist Gift für die Krankheit

Vor Kurzem war ich nach einer ziemlich heftigen emotionalen Achterbahnfahrt in einer MS-Spezialkinik. Glücklicherweise kein neuer Schub, aber sämtliche Symptome, die ich je gehabt habe, sind wieder aufgeflackert. Die anderen Patienten in der Klinik, die es ja eigentlich besser wissen müssten, sagten mir: „Ich habe gedacht, du arbeitest hier.“

Das hat ganz schön gesessen. Bin ich vielleicht „nicht krank genug“, um im Krankenhaus zu sein? Mein Körper hat mir eigentlich die richtige Antwort gegeben. Es ging mir schlecht, auch wenn sich die Symptome schnell gebessert haben. Was aber geblieben ist, war meine Psyche.

Symptome können Hilfeschrei des Körpers sein

Sowieso schon angeknackst und dann noch mit zahlreichen Menschen konfrontiert, die auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind. Die zum Teil kognitive Störungen haben, nicht mehr richtig reden können oder mit einem Katheter durchs Leben gehen müssen.

Ganz ehrlich – ich bin ganz froh darüber „nicht krank genug“ zu sein. Denn meine Symptome, meine Probleme sind ein Hilfeschrei meines Körpers gewesen, den ich gehört habe. Und mein Körper hat ganz eindeutig befunden: Ich bin krank genug.

Und indem ich mich um ihn gekümmert habe, ihm zugehört habe und mich darauf eingelassen habe, geht es mir jetzt wieder besser.

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